Vom 2. bis 7. Oktober 2025 waren Bewohnerinnen und Bewohner des Internats am bbs nürnberg unterwegs nach Rotterdam, um unsere Fotoausstellung „Wir sehen es anders“ zu eröffnen – pünktlich zum Start der Woche der Barrierefreiheit am 6. Oktober 2025 in den Niederlanden.
Sieben Schülerinnen und Schüler haben die Ausstellung mitgestaltet und viele spannende Eindrücke gesammelt: von Schulbesuchen und Stadtführungen über Museumsbesuche bis hin zu einer Fahrt mit der U-Bahn ans Meer.
Die Ausstellung zeigt Momentaufnahmen von Künstlerinnen und Künstler des bbs nürnberg aus der Sicht sehbeeinträchtigter Menschen. Sie eröffnen neue Wege der Wahrnehmung und Kommunikation und zeigen, dass Fotografie auch die Herausforderung der Sehbeeinträchtigung darstellen und transformieren kann. Die Werke spiegeln die Vielfalt und Tiefe dieser besonderen Kunstform wider und laden dazu ein, Fotografie ganzheitlich zu betrachten.
Die Studienfahrt wurde durch das Erasmus+ Programm finanziert.
Studienreise nach Rotterdam
Bericht unserer Internatsbewohnerin Diana
Unser Fotoprojekt „wir sehen es anders“, initiiert von Christina Schweiger (Kreativpädagogin im SFZ), läuft nun schon fast 2 Jahre. Es gab verschiedene Ausstellungen, z.B. im „Goldenen Saal“ des bbs nürnberg, im Frankenzentrum und im Rathaus in Feucht. Die letzte Präsentation war der Höhepunkt unserer Reihe - eine Ausstellung in Rotterdam, während der niederländischen Woche der Barrierefreiheit. Über Erasmus+ wurden uns Fördermittel genehmigt, mit welchen die Reise für alle Teilnehmenden möglich gemacht werden konnte.
Vom 2.10. bis 7.10. machten sich 7 Internatsbewohner*innen, drei Begleitpersonen und der Fotograf unseres Projektes auf die Reise nach Rotterdam. Die Anreise mit der deutschen Bahn hat überraschend gut funktioniert. Der große Platz vor dem Bahnhof war umrahmt von Hochhäusern und übersäht mit Radwegen. Auf dem Weg zur Unterkunft haben wir deutlich gemerkt, dass wir uns in einem anderen Land befinden. Den Radfahrern aus dem Weg zu gehen, erwies sich als eine große Herausforderung, vor allem für sehbeeinträchtigte Menschen. Wir hatten drei Wohnungen im selben Gebäude gemietet und uns erst einmal kurz dort umgesehen. Dann teilten wir uns auf. Eine Gruppe ging Einkaufen, die andere packte aus und bereitete alles für das Abendessen vor. Schon am ersten Abend haben wir zusammen gekocht und gleich drei zusätzliche Gäste empfangen: Unsere Kooperationspartnerin Karin, unser Fotograf Micha und seine Frau Sabine. Es war ein schöner Einstieg in die Tage.
Am nächsten Morgen ging es nach einem gemeinsamen Frühstück zur Berufsschule, in der die Fotoausstellung stattfand. Wir wurden sehr nett empfangen und konnten gut auf Englisch kommunizieren. Während die Begleitpersonen und einige Schüler sich einen guten Aufbau überlegten und die Bilder an den Stellwänden befestigten, schnitt der andere Teil Texte zurecht und sortierte sie zu den passenden Geräuschen und Fotos. Im Anschluss erhielten wir eine Führung durch die Schule. Man konnte durchaus einige Unterschiede zu unseren Schulen bemerken, beispielsweise die Sitzgelegenheiten in den Gängen für die Schülerinnen und Schüler. Ein Austausch in einer Schulklasse gab uns Einblicke ins niederländische Schulsystem. Es existieren keine Förderschulen in den Niederlanden, das komplette Schulsystem ist inklusiv. Wir konnten für uns einige Vorteile aber auch Nachteile daran erkennen.
Den Nachmittag verbrachten wir in der Nähe der berühmten Rotterdamer Markthalle. Bevor wir uns im Inneren umgesehen haben, konnten wir an einem Stand „Stroopwafels“ essen, eine typisch niederländische Waffel. In der Markthalle konnte jeder von uns selbst die einzelnen Geschäfte erkunden. Oft waren es Spezialitäten aus den verschiedensten Ländern. Zum Abschluss des Tages gab es Curry zum Abendessen und einen kurzen Ausflug in eine Bar.
Am Wochenende hatten wir eine gute Mischung aus Kultur und Freizeit. Wir sind mit der U-Bahn an einen Strand gefahren und trotz stürmischem Wetter gelaufen. Danach waren wir in einem Strandrestaurant Essen und konnten dort weitere typische Gerichte wie Kibberling und Poffertjes ausprobieren. Am Abend fand durch Zufall die niederländische Version des Oktoberfestes statt und wir konnten feststellen, welche Unterschiede dort bestehen.
In einem Einwanderungsmuseum haben wir etwas über die Historie von Rotterdam gelernt. Es war eine gute Mischung aus moderner Einrichtung, Kunstwerken und Geschichten von Einwanderern. Zurück gefahren sind wir mit einem sehr ruckeligen Wassertaxi. Wir bekamen eine Führung durch den Statuenweg, der ganz in der Nähe unserer Unterkunft lag. Eine ehemalige Lehrerin, die selbst erblindet ist, erklärte uns vieles über die einzelnen Statuen und Kunstwerke.
Am Montag fand dann endlich der Höhepunkt unserer Reise statt – die Ausstellungseröffnung. Davor waren wir noch zu Gast in einer anderen Berufsschule mit der Spezialisierung auf soziale Arbeit. Ein Gespräch mit Lehrern und zwei Schülerinnen gab uns auch hier spannende Einblicke. Schließlich wurden die letzten Vorbereitungen für die Ausstellung abgeschlossen und die ersten Gäste trafen ein. Die Ausstellung selbst war ein voller Erfolg. Besonders die kleinen Snacks aus Deutschland wie Lebkuchen und Bratwürste kamen gut bei den vielen Besuchern an. Die Kommunikation lief oft auf Englisch oder mit Hilfe von Übersetzungsprogrammen. Das Feedback und die Reaktionen der Menschen waren durchweg positiv.
Nachmittags haben wir die Chance genutzt, um einige schöne Fotos zu machen und Souvenirs zu kaufen. Auch haben wir uns Proviant für die morgige Zugfahrt besorgt. Den letzten Abend ließen wir mit bestelltem Essen, etwas Musik und Gesprächen über die Zeit ausklingen. Natürlich haben wir dabei nicht vergessen, unsere Koffer zu packen und die Wohnungen aufzuräumen. Der Abreisetag fing mit einem Frühstück an. Nachdem alle ihre Sachen gepackt hatten wurden die Wohnungen noch einmal kontrolliert, Müll aufgeräumt und die Kaffeemaschine an Karin übergeben, die sie uns freundlicherweise geliehen hatte. Die Rückfahrt verlief gut, obwohl es eine kleine Verspätung gab. Am Abend sind wir wieder in Nürnberg angekommen und mussten uns voneinander verabschieden.
Es war eine wirklich tolle, informative und lustige Studienreise. Wir waren ein gutes Team und konnten von Anfang an gut zusammenarbeiten. Wir haben neue Menschen, Gerichte und Kulturen kennengelernt. Wir haben es geschafft, Lernen und Spaß zu kombinieren und uns jeder erdenklichen Herausforderung mit viel Improvisation, Spontanität und einem Lachen gestellt. Wir haben Erinnerungen fürs Leben gesammelt und sind alle dankbar für diese wundervollen Tage in Rotterdam.
Text:
Diana (Internatsbewohnerin